Erste Maiswurzelbohrer festgestellt

08.08.2010

Wie das baden-württembergische Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz mitteilte, sind im Ortenaukreis und im Landkreis Emmendingen die ersten Exemplare des Westlichen Maiswurzelbohrers in diesem Jahr aufgetreten. Im Rahmen der amtlich vorgeschriebenen Überwachungen wurden in beiden Landkreisen insgesamt 22 Käfer in speziellen Lockstofffallen gefangen.

Der Westliche Maiswurzelbohrer ist der weltweit bedeutendste Maisschädling. Er ist in Europa als sogenannter Quarantäneschädling eingestuft. Der in der EU als Quarantäneschaderreger eingestufte Westliche Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera virgifera) ist der bedeutendste Maisschädling in Nordamerika und wahrscheinlich auch der bedeutendste Maisschädling weltweit. In den USA verursacht er jedes Jahr Schäden und Pflanzenschutzaufwendungen von ca. 1 Milliarde US-$. In Europa sind es bisher ca. 300 Millionen Euro.

Der Maiswurzelbohrer wurde aus Italien und dem Balkan in die Rheinebene eingeschleppt. Er tritt seit dem Jahr 2007 jährlich im südlichen Rheintal auf. Tritt der Maiswurzelbohrer auf, sind die Behörden unter anderem gehalten, die Überwachung zu intensivieren, Quarantänezonen auszuweisen und Maßnahmen zur Bekämpfung des Schädlings einzuleiten. Die baden-württembergischen Behörden haben die von der EU-Kommission vorgeschriebenen Schritte eingeleitet. Die Pflanzenschutzexperten haben die Anzahl der Lockstofffallen erhöht und die Überwachung ausgeweitet. Über das weitere Vorgehen wird nach eingehender Analyse der Befallsentwicklung in den kommenden Wochen entschieden.

Die Maßnahmen im Einzelnen:

In der Befallszone, mindestens 1 km um den Fundort:

  • eine Bekämpfung der Käfer mit geeigneten Insektiziden, evtl. mit Wiederholung, zeitlich begrenztes Verbringungsverbot, kein Transport von Grün- oder Silomais (frische Maispflanzen) vor dem 1. Oktober
  • Verbringungsverbot von Erde von Maisfeldern aus der Befallszone
  • kein Anbau von Mais für zwei Jahre (nach dem Fangjahr) in der gesamten Befallszone; in Einzelfällen ist eine dreigliedrige Fruchtfolge - bezogen auf Einzelschläge - unter der Berücksichtigung der Vorkulturen in den zwei Jahren zuvor möglich, verbunden mit Saatgutinkrustierung oder Bodengranulat und einer Insektizidspritzung gegen den Käfer in den Folgejahren
  • Reinigung der Maschinen vor dem Verlassen der Zone
  • Bekämpfung eines möglichen Maisdurchwuchse

 

In der Sicherheitszone (mindestens 5 km um die Befallszone):

  • zweijährige Fruchtfolge, in Einzelfällen ist der Anbau von Mais in Folge möglich, verbunden mit Insektzidanwendung gegen den Käfer im Befallsjahr und in den Folgejahren, sowie Saatgutinkrustierung oder Bodengranulat in den Folgejahren.

Die Zonen gelten zunächst für drei Jahre. In dieser Zeit erfolgt eine intensive Überwachung. Werden keine Käfer mehr gefangen, werden in der Regel die Zonen aufgehoben. Verstärkt sich der Befall, kann auch eine Ausweitung der Zonen in Betracht gezogen werden.

Käfer-Monitoring der EU:

Das von der EU-Kommission vorgeschriebene landesweite Käfer-Monitoring wurde in diesem Jahr am 1. Juli begonnen. Für das Grundmonitoring werden in diesem Jahr wieder Fallen an über 500 Standorten aufgestellt. Nach den Erfahrungen der vergangenen drei Jahre werden die Unteren Landwirtschaftsbehörden bis Ende August beziehungsweise Anfang September insgesamt bis zu 1.500 Sexuallockstofffallen ein- bis zweimal pro Woche kontrollieren.

Auch Landwirte sollten ihre Maisflächen beobachten. Besonders gefährdet sind Flächen, auf denen Mais nach Mais angebaut wird. Bei Auftreten von verdächtigen Käfern oder Beobachtung von lagernden Pflanzen mit Larven oder Fraßschäden am Wurzelwerk muss der Landwirt den Pflanzenschutzdienst informieren. Es besteht Meldepflicht.


Pressemitteilung 202/2010 Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz, 28. Juli 2010

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